Handlungsfelder Umwelt- und Naturschutz, Nachhaltiges Wirtschaften, Bildung für nachhaltige Entwicklung

Wo LEADER-Region "Selfkant" (Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht), insg. ca. 31.300 Einwohnerinnen und Einwohner (2012), Nordrhein-Westfalen
Begründung für Good Practise Ökologisch nachhaltige Kulturlandschafspflege in Verbindung mit Erschließung regionaler Wertschöpfungspotenziale
Projektträger NABU-Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V.
Projektvolumen 252.648,19 €
Mittelherkunft 126.324,10 €, entspricht 50 Prozent der Gesamtausgaben, jeweils durch den ELER finanziert und kofinanziert durch Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, Kreissparkasse Heinsberg und die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Heinsberg
Projektlaufzeit 15. Juli 2012 bis 14. November 2014
Handlungsfeld Umwelt- und Naturschutz, Nachhaltiges Wirtschaften, Bildung für nachhaltige Entwicklung
Fördergegenstand Umsetzung integrierter territorialer Ansätze (LEADER), Sachinvestition in Umweltschutz, Bildung, Information, Beteiligung und Vernetzung

 

Natur- und Umweltschutz auf 826 Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind auf Grund ihres hohen Alt- und Totholzanteils ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche (gefährdete) Tier- und Pflanzenarten und haben darüber hinaus eine historische und ortsbildprägende Bedeutung für den Kulturraum vieler ländlicher Regionen. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft und die zunehmende Bebauung auch in ländlichen Räumen schwinden diese Lebensräume in den deutschen Landschaften. In den Jahren 2002/03 konnten in den Gemeinden Selfkant, Waldfeucht und Gangelt 826 Streuobstwiesen mit ca. 12.300 Obstbäumen nachgewiesen werden. Ziel des Leader-Projektes „Regionale Wertschöpfungskette Streuobst“ ist der Aufbau eines nachhaltigen Kompetenznetzwerkes rund um das Thema „Streuobstwiese“ und „Streuobst“. Dies umfasst:

  • Erhalt, Pflege und Schutz schon bestehender alter sowie Pflanzung und Pflege neuer Streuobstwiesen (= Aufwertung der Streuobstwiesen als Lebensraum zahlreicher, z. T. geschützter Tier- und Pflanzenarten und als prägenden Bestandteil der Kulturlandschaft)
  • Wiederaufnahme der Grünlandnutzung als Mähwiese (Futtergewinnung) oder Weide
  • regionale Nutzung der Streuobstwiesen, d. h. Ernte, Verarbeitung und Vermarktung des Obstes (wirtschaftliche Inwertsetzung der Streuobstwiesen, Wirtschaftsfaktor der Region)
  • Entwicklung einer Regionalmarke „Streuobst“ (dient ebenfalls der wirtschaftlichen Inwertsetzung, unterstreicht das Gemeinschaftsgefühl der Region)

Ergebnis wird nach Projektende ein bestehendes Kompetenznetzwerk sein, das langfristig alle Akteure verbinden und anfallende Aufgaben koordinieren kann. Außerdem soll praxisnah an weiteren Möglichkeiten des Erhalts dieses landschaftlichen Kulturgutes gearbeitet werden.

 

Pflanzung, Pflege und Versaftung

In dem Projekt wird eine große Vielfalt von Maßnahmen durchgeführt, die sich positiv auf den Naturschutz auswirken. Die Anstrengungen zur ökonomischen Inwertsetzung tragen zudem dazu bei, die langfristige Tragfähigkeit des Projektes und somit auch den Naturschutzeffekt dauerhaft zu sichern. Umgesetzt werden im Rahmen des Projektes insbesondere die folgenden Maßnahmen:

  • Sensibilisierung, Information und Motivation der Bevölkerung, der Akteure (u.a. durch Sprechstunden in den Gemeinden)
  • Ausbildung einer „Pflegegruppe“ zum Erhalt, Schutz und zur Pflege der Streuobstwiesen (v. a. Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner und andere bereits qualifizierte Personen)
  • Ausbildung von Baumwarten, die als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort fungieren: Die Baumwarte stehen den Besitzerinnen und Besitzern der Streuobstwiesen beratend zur Seite. Ihre Aufgaben reichen dabei von der Sortenbestimmung und Pflanzung von regional tauglichen Obstsorten und deren Pflege über die Vermittlung von Patenschaften bis hin zur wirtschaftlichen Verwertung der verschiedenen Produkte.
  • Versaftung im Herbst und Bildung von ehrenamtlichen Erntegruppen
  • Neuanlage von Gemeinde-Obstwiesen durch ehrenamtliche Helfer und Baumpatenschaften
  • Produktentwicklung und -vermarktung (Gründung einer Dachmarke)
  • Öffentlichkeitsarbeit (Information und Einbeziehung der Presse, Veranstaltungen)

Über die Gründung und Koordination des Kompetenznetzwerks hinaus arbeitete die Lokale Aktionsgruppe daran, das Obst und die daraus gewonnenen Produkte, wie etwa Saft, wirtschaftlich zu vermarkten. Eine dafür gegründete Arbeitsgruppe „Regionalmarke“ verfolgt das Ziel, eigene regionstypische Streuobstprodukte sowie weitere Produkte, wie z. B. Honig oder Blumen, zu entwickeln und für diese regionale Produktions- und Vermarktungswege zu erschließen. Dazu hat die Lokale Aktionsgruppe eine regionale Produktmarke „Der Selfkant“ gegründet, unter der die Vermarktung erfolgt.

Aktuell werden die verschiedenen Aktivitäten rund um das Thema Streuobstwiesen noch immer erweitert. So sind die Verantwortlichen der NABU-Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. derzeit auf der Suche nach Rezepten, in denen Streuobst verwertet wird, um ein kleines Kochbuch oder eine Broschüre zu veröffentlichen.

Wiese mit blühenden Streuobstbäumen Deutschlandkarte mit Projektstandort LEADER-Region Produkte aus Streuobst von Markus Roesler

Umfangreiche Serviceleistungen und Informationen rund um das Thema Streuobst: www.Streuobst.de

Der Selfkant - Regionale Wertschöpfungskette Streuobst