Handlungsfelder Umwelt- und Naturschutz sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung

Wo Achental-Gemeinden mit über 33.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, Bayern
Begründung für Good Practise (vorbeugendes) Konfliktmanagement in der Nutzung von Naturräumen
Projektträger Ökomodell Achental e.V.
Projektvolumen 350.000 €
Mittelherkunft 5 Prozent Landkreis, 5 Prozent Bezirk Oberbayern, 10 Prozent Eigenanteil Ökomodell Achental, Rest Naturschutzfonds und Europäischer Sozialfonds (ESF)
Projektlaufzeit 2003 bis 2014
Handlungsfeld Umwelt- und Naturschutz, Bildung für nachhaltige Entwicklung
Fördergegenstand Bildung und Qualifizierung, Wissenstransfer, Begleitung und Betreuung, Management, Information und Kommunikation, Sachinvestitionen in Umweltschutzmaßnahmen, Daten-, Informationsgrundlagen und Umsetzungsvorbereitung

 

Naturschutz und Bildung für nachhaltige Entwicklung in einem einzigartigen Naturraum

Im Achental treten auf engem Raum zahlreiche und sehr differenzierte Biotop- und Landschaftstypen auf, von Auwäldern über Seeufer- und Felsbereiche bis zu Hochmooren. Etwa 30 Prozent der Fläche des Achentals stellen Schutzgebiete und Biotope dar. Die Region verfügt über einen hohen Anteil an Naturschutz-, Landschaftsschutz- und Wiesenbrütergebieten sowie Naturdenkmälern und andere geschützte Landschaftsbestandteile. Um eine umweltverträgliche und zukunftsorientierte Entwicklung der Region zu fördern, haben sich die Achental-Gemeinden Bergen, Grabenstätt, Grassau, Marquartstein, Reit im Winkl, Schleching, Staudach-Egerndach, Übersee und Unterwössen zum Verein „Ökomodell Achental e.V.“ zusammengeschlossen. Das Ökomodell Achental setzt verschiedene Maßnahmen in den Bereichen Naturschutz, Landwirtschaft, Tourismus und regionale Energieversorgung um und ist ein erfolgreiches Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit, auch mit den Nachbargemeinden Kössen, Schwendt und Kirchdorf über die deutsch-österreichische Landesgrenze hinweg.

Eines der vielfältigen Projekte des Vereins ist die „Gebietsbetreuung Achental“, das durch den Bayerischen Naturschutzfonds sowie den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird und die fachliche Betreuung von mehr als 30 naturschutzfachlich hochwertigen Landschaften Bayerns durch naturwissenschaftlich qualifizierte Personen beinhaltet.

Wesentliche Erfolgsfaktoren, um Konflikte im Falle konkurrierender Nutzungsinteressen zu managen bzw. nach Möglichkeit bereits im Vorfeld zu vermeiden, stellen Informations- und Bildungsmaßnahmen sowie die Vernetzung aller an der Nutzung der Naturräume interessierten und beteiligten Akteure dar. Interessenskonflikte können dabei insbesondere zwischen Akteuren des Naturschutzes, der Landwirtschaft, des Tourismus und der wirtschaftlichen Nutzung (z.B. zur Erzeugung erneuerbarer Energien) von Naturräumen entstehen. Die Gebietsbetreuung knüpft an diesen Punkten an.

 

Vielfältige Aktionen führen zum erfolgreichen Gesamtpaket

Seit der zweiten Förderperiode zur Durchführung der Gebietsbetreuung (2008 bis 2014) wird eine halbe Personalstelle zur Erfüllung der Aufgaben gefördert. Zu den Aufgaben, denen sich die Gebietsbetreuung widmet, gehören:

  • Information und Aufklärung der Bevölkerung/Öffentlichkeitsarbeit zu allen Themen des Naturschutzes und der Landschaftspflege
  • Umweltbildung für Erwachsene und Kinder
  • Betreuung von Schutzgebieten
  • Beobachtungen/Bestandskontrollen der Tier- und Pflanzenwelt
  • Unterstützung von Maßnahmen zur Besucherlenkung
  • (Vorbeugendes) Konfliktmanagement im Naturschutzbereich, vor allem in den Themenbereichen Tourismus, Landwirtschaft und Erneuerbare Energien
  • Zusammenarbeit mit Fachbehörden, Verbänden, Bürgerarbeitskreisen, Tourismus etc. zur Unterstützung von Projekten des Natur- und Landschaftsschutzes und des Verständnisses für die Zusammenhänge in der Natur

Im Rahmen des Projektes ist ein dichtes Netzwerk zwischen den Fachbehörden, Gemeinden, Expertinnen und Experten aufgebaut worden, das z. B. zu gemeinsam organisierten und öffentlichkeitswirksamen Fachexkursionen zum Thema Artenvielfalt geführt hat. Darüber hinaus war das Projekt in verschiedenen Medien präsent und hat Arbeitskreise zu verschiedenen Themen hervorgebracht, wie etwa den „Arbeitskreis Umweltbildung im Ökomodell Achental e.V.“, der die Aktivitäten rund um das Thema Umweltbildung bündelt und koordiniert und ein Umweltbildungsnetzwerk aufgebaut hat.

Ein Beispiel, wie das Projekt „Gebietsbetreuung Achental“ im Rahmen des vorbeugenden Konfliktmanagements wirkt, ist die gezielte Besucherlenkung mit Hilfe von geschickter Wegeführung, Hinweistafeln, entsprechender Öffentlichkeitsarbeit und geführten Naturwanderungen. Dabei werden durch die Gebietsbetreuung aber vor allem Anregungen für die zuständigen Behörden gegeben und diese bei der Umsetzung unterstützt.