Handlungsfeld Energiewende und Klimaschutz

Wo Landkreis Görlitz, ca. 265.000 Einwohnerinnen und Einwohner (2012), Sachsen
Begründung für Good Practise Energetisch vorbildhafte Sanierung durch Niedrigenergiehausstandard im Denkmalschutz
Projektträger Landkreis Görlitz, als Schulträger
Projektvolumen 8,8 Mio. € zur Sanierung von 8.359 m2 Bruttogeschossfläche bzw. 6.600 m2 beheizte Nettogrundfläche
Mittelherkunft 20 Prozent Eigenmittel des Landkreises, 80 Prozent aus Bundes- und Landesmitteln unter Einbezug von EFRE-Strukturfondsmitteln (ca. 4,38 Mio. € bewilligt 2009)
Projektlaufzeit Juli 2007 bis Dezember 2010
Handlungsfeld Energiewende und Klimaschutz
Fördergegenstand Bauliche Maßnahme

 

Klimaschutz und Denkmalschutz im Einklang

Als Vorbereitung des Umzugs der Friedrich-Fröbel-Förderschule in das seit 2006 leerstehende denkmalgeschützte Gebäudeensemble in Olbersdorf begann im Jahr 2007 der umfassende Umbau und die energetische Sanierung des ehemaligen Mittelschulgebäudes. Die Entscheidung zur Sanierung traf der Landkreis nach einer Analyse aller Schulstandorte in Bezug auf ihren Energieverbrauch und CO2-Ausstoß im Rahmen seiner Schulnetzplanung. Mit der Sanierung verfolgte der Landkreis mehrere Zielsetzungen:

  • Erreichen des Drei-Liter-Haus-Standards im Betrieb, der auch für Gebäude außerhalb des Denkmalschutzes vorbildlich ist. Dieser ermöglicht es der Kommune, langfristig Energiekosten einzusparen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
  • Erheblich verbesserte Lehr- und Lernmöglichkeiten durch pädagogisch begründete Umbaumaßnahmen zusammen mit den energieeffizienzsteigernden Maßnahmen sowie Lärmschutzmaßnahmen. Die rund 200 Schülerinnen und Schüler sowie etwa 30 Lehrerinnen und Lehrer stellen seither in vielerlei Hinsicht Verbesserungen des Raumklimas fest.

Über den direkten Schulbetrieb hinaus trägt die Sanierung dazu bei, das architektonisch wertvolle Gebäudeensemble zu erhalten und damit das von historischer Bausubstanz geprägte Ortsbild weiter zu verschönern. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein bedeutendes regionales Beispiel für den Schulbau zur Zeit der Weimarer Republik, das es zu bewahren galt. Aus städtebaulicher Sicht besonders wertvoll ist die Erhaltung des architektonisch herausragenden Antlitzes des Ensembles, geprägt durch die Fassade mit ihren in der Fassadenflucht befindlichen Fenstern.

Durch die wissenschaftliche Begleitung des Projektes sammelte der Landkreis Erfahrungen mit der Anwendung innovativer technischer Lösungen, um diese bei zukünftigen energetischen Sanierungsprojekten nutzen und von ihnen profitieren zu können.

 

Mit innovativen Lösungen zum Gewinner des Wettbewerbs Kommunaler Klimaschutz 2011

Die Sanierung erfolgte zwischen Juli 2007 und Dezember 2010 im Rahmen eines ausgeklügelten Sanierungskonzeptes: Das mit Graphit versetzte Wärmedämmverbundsystem ermöglicht eine niedrigere Dämmstoffstärke und damit eine denkmalgerechte Fassadensanierung. In Kombination mit dem Einsatz innovativer Anlagen- und Regeltechnik benötigt das Schulgebäude zur Beheizung nur noch 35 kWh/m2a an Primärenergie (bzw. etwa 50 kWh/m2a inkl. Lüftung und Beleuchtung). So spart der Landkreis im Betrieb des Gebäudekomplexes jährlich etwa 100 Tonnen CO2 ein im Vergleich zum unsanierten Altbau bzw. reduziert den (Primär)energieverbrauch um 80 Prozent.

Zu den innovativen technischen Lösungen gehören beispielsweise:

  • eine Hybridlüftungs-Strategie aus Zuluft-Kastenfenstern und Luftschächten, die durch sensorgesteuerte Abluftventilatoren unterstützt werden,
  • der Einsatz elektrochromer Verglasung mit Lamellen-Jalousien, die in die Scheibenzwischenräume integriert sind und zur Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes beitragen,
  • Lichtschächte und Lichtlenkeinrichtungen sorgen für eine ausreichende Versorgung mit Tageslicht.
  • Die Wärmeversorgung erfolgt über eine erdgekoppelte Wärmepumpenanlage, die in Spitzenlastzeiten durch eine Gasheizung unterstützt werden kann.

Darüber hinaus wurden Verbesserungen beim Schallschutz und Barrierefreiheit der Raumzugänge, Fahrstühle und Toiletten erzielt. Zur Finanzierung des Projektes wurde eine EFRE-Förderung in Höhe von ca. 4,38 Mio. Euro bewilligt. Das Projekt gehört zu den Gewinnerprojekten des Wettbewerbs Kommunaler Klimaschutz 2011 in der Kategorie 1 – „Innovative technische und/oder bauliche Maßnahmen für den Klimaschutz in einem kommunalen Gebäude oder einer kommunalen Einrichtung“.

Blatt mit Stadtsilhouette
Karte mit Projektstandort Olbersdrof
Gebäude der Friedrich-Fröbel-Förderschule

Literatur:

„Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz“ beim Deutschen Institut für Urbanistik gGmbh (Difu) (Hrsg.) (2012): Kommunaler Klimaschutz 2011. Wettbewerb – Die Preisträger und ihre Projekte.

Weblinks